Textauszug: Charles III. ist seit dem 8. September 2022 König von Beruf und damit Regent über das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland. Was nur die wenigstens wissen, ist die Tatsache, dass zu seinen Untertanen nicht nur die gut 68 Millionen Einwohner des größten Inselstaats in Europa gehören, sondern qua Gesetz auch (fast) alle Schwäne, die sich auf seinem Grund und Boden tummeln. Und davon gibt es Land auf, Land ab nicht wenige. Nun ist dies mit den Tieren aus der Familie der Entenvögel so eine Sache. Denn die besitzen weder einen Pass noch einen festen Wohnsitz. Um sich dennoch einen Überblick über den Schwanbestand im britischen Königreich zu verschaffen, werden die Schwäne beim so genannten „Swan Upping“ jährlich gezählt.
Thema: Tradition der königlichen Schwan-Zählung
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Textauszug: Wer das schmale Gebäude im Londoner Stadtteil Hackney betritt, landet in einem Paralleluniversum. In gedämpftem Licht reihen sich Präparate, Fetische, Kunstwerke und skurrile Fundstücke aneinander, als hätten sie sich heimlich zu einer anarchischen Wohngemeinschaft zusammengeschlossen. Schädel und Schrumpfköpfe teilen sich den Raum mit erotischen Zeichnungen, viktorianischen Kuriositäten und zeitgenössischen Miniaturen, während ausgestopfte Tiere in Posen verharren, die irgendwo zwischen grotesk und charmant schweben. Hier mischt sich die Ästhetik eines Wunderkabinetts mit der Aura eines Traumarchivs: alles scheint aus einer Geschichte zu stammen, die vergessen, verdrängt oder nie ganz zu Ende erzählt wurde.
Textauszug: Im Schatten der Rhein-Metropolen Köln und Düsseldorf gehört Leverkusen nicht gerade zu den städtebaulichen Schönheiten. Wer an die 170.000-Seelen-Gemeinde im Rheinland denkt, hat zumeist neben Autobahnkreuzen vor allem das gewaltige Panorama des weithin sichtbaren Chemparks im Sinn. Doch inmitten des riesigen Areals, das die Chemieindustrie hier einnimmt, duckt sich wie eine kleine Oase einer der wohl unumstritten schönsten japanischen Gärten des Kontinents. Eine liebevoll gepflegte Anlage, die sich als ein kontemplativer Dialog zwischen Kultur und Natur, Vergangenheit und Gegenwart, Rheinland und Fernost erweist; ein Areal, das den Geist der Edo-Zeit atmet.
Textauszug: Die britische Kapitale London erlebt einmal im Jahr eine ganz eigentümliche Entblößung. Während sonst Anzugträger durch die City eilen und Touristen dicht an dicht vor dem Buckingham Palace posieren, verwandeln sich die Straßen Mitte Juni in eine Bühne der Freiheit: Der World Naked Bike Ride, kurz WNBR, rollt durch die Themse-Metropole – splitterfasernackt, aber mit umso mehr Haltung. Kein schrilles Festival, kein anarchisches Chaos, sondern ein fließendes Manifest auf zwei Rädern. Hunderte, manchmal Tausende Menschen lassen ihre Hüllen fallen, nicht aus Voyeurismus, sondern als radikale Geste gegen eine Kultur, in der Autos dominieren, Erdölströme den Planeten vergiften und Körperideale noch immer eng geschnürt sind wie ein viktorianisches Korsett. Was wie nackter Spaß aussieht, ist in Wahrheit eine politische Performance – und London die perfekte Bühne dafür.
Textauszug: Wer sich der Silhouette der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt nähert, erkennt ihn bereits aus der Ferne als unangefochtenen Herrscher über das Panorama. Der Rheinturm steht dort, wo das moderne Regierungsviertel den historischen Kern küsst, und reckt sich stolze 240 Meter in den Himmel. Es ist ein Bauwerk, das in seiner kühlen, funktionalen Ästhetik die Aufbruchstimmung der späten 1970er Jahre konserviert hat und dennoch bis heute kein bisschen altmodisch wirkt. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Fernsehturm erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Bauwerk mit doppelter Botschaft: Er überträgt Signale und misst zugleich sichtbar die Zeit. Damit wird der Rheinturm zu einer Art urbanem Metronom, das den Rhythmus Düsseldorfs taktet.
Textauszug: Das Hotel ist eine Insel – nicht im Wasser, sondern zwischen bedeutenden Verkehrsadern. Auf der einen Seite die Autobahn sowie der ICE-Halt und auf der anderen Seite Deutschlands größter Flughafen. Was zunächst wenig verlockend klingt, erweist sich tatsächlich als perfekte Lage vor allem für alle, die spät abends oder früh morgens vom Frankfurter Flughafen zu Reisezielen rund um den Globus starten oder an dem internationalen Drehkreuz ankommen. Das Frankfurt Airport Marriott Hotel liegt mitten im bisweilen hektischen Strom der Reisenden und erweist sich doch als eine Oase der Ruhe und Eleganz mit viel Komfort.
Textauszug: Das walisische Conwy klammert sich ans Ufer des Flusses, der ihren Namen trägt, als wollte sie die Gezeiten festhalten. Dunkle Schieferdächer ducken sich innerhalb der massiven Mauern, die seit dem Jahre 1287 das Herz der Stadt umrahmen. Das 1.300 Meter lange und mit Türmen verstärkte Bollwerk ist noch heute fast komplett begehbar und biete eine Perspektive, die im Mittelalter allein den Wachen vorbehalten war. Von hier wirkt das Geflecht aus kleinen Gassen, versteckten Gärten und rauchenden Schornsteinen fast wie ein detailverliebtes Wimmelbild. Man blickt hinab in die Hinterhöfe, in denen Wäsche im Wind flattert, und im nächsten Moment hinaus auf die gezeitenabhängige Flussmündung, wo die Fischerboote bei Ebbe sanft im Schlamm auf der Seite liegen.
Textauszug: Wer sich von Rouen aus flussabwärts bewegt, folgt dem trägen Lauf der Seine, die sich hier in gewaltigen Mäandern durch das grüne Herz der Normandie frisst. Hinter einer Biegung, dort, wo die Obstgärten des Pays de Caux besonders üppig blühen, geschieht es: Plötzlich schiebt sich ein steinernes Gebirge aus dem Dunst der Flusslandschaft. Es sind die Türme von Jumièges, die fast fünfzig Meter hoch in das normannische Blau ragen. Doch beim näheren Hinsehen offenbart sich das Paradoxon dieses Ortes. Was aus der Ferne wie eine stolze Festung des Glaubens wirkt, ist bei Licht betrachtet ein hohler Zahn, ein Skelett aus Kalkstein, dessen Rippen den Himmel stützen müssen, weil das Dach längst der Schwerkraft und der Geschichte nachgegeben hat.
Textauszug: Dort, wo Dänemark seinen südlichsten Punkt markiert, liegt Tønder. Die Nähe zur deutschen Grenze hat über Jahrhunderte hinweg Spuren hinterlassen, die sich in Architektur, Sprache und Mentalität widerspiegeln. Tønder ist dänisch, ohne Zweifel, aber es trägt eine Offenheit in sich, die aus Begegnungen, Handel und kulturellem Austausch gewachsen ist. Weite Felder, niedriger Himmel und ein Licht, das je nach Tageszeit zwischen sanft und dramatisch wechselt, verleihen der Umland der 7.500-Seelen-Gemeinde eine besondere Stimmung. Die Nähe zur Nordsee ist spürbar, auch wenn sie nicht direkt vor der Haustür liegt. Der Wind trägt ihren salzigen Atem heran, und die Marschlandschaft erzählt von einem Leben im Rhythmus der Natur.
Textauszug: Wer die kurvenreichen Straßen der Argolis entlangfährt, vorbei an silbrig schimmernden Olivenhainen und dem herben Duft von wildem Thymian, der ahnt nicht, dass er sich einem Epizentrum der antiken Welt nähert. Epidaurus ist kein bloßes Ansammlung verwitterter Marmorblöcke, die unter der griechischen Sonne langsam zu Staub zerfallen. Es ist ein Ort, an dem die Grenze zwischen Wissenschaft und Wunder seit über 2.000 Jahren verschwimmt. Hier, im Osten der Peloponnes, rund 30 Kilometer von der historischen Hauptstadt Nauplia entfernt, schufen die Griechen in der Antike ein Heiligtum, das in seiner Komplexität und ästhetischen Vollendung bis heute seinesgleichen sucht.