Textauszug: Wer sich von Rouen aus flussabwärts bewegt, folgt dem trägen Lauf der Seine, die sich hier in gewaltigen Mäandern durch das grüne Herz der Normandie frisst. Hinter einer Biegung, dort, wo die Obstgärten des Pays de Caux besonders üppig blühen, geschieht es: Plötzlich schiebt sich ein steinernes Gebirge aus dem Dunst der Flusslandschaft. Es sind die Türme von Jumièges, die fast fünfzig Meter hoch in das normannische Blau ragen. Doch beim näheren Hinsehen offenbart sich das Paradoxon dieses Ortes. Was aus der Ferne wie eine stolze Festung des Glaubens wirkt, ist bei Licht betrachtet ein hohler Zahn, ein Skelett aus Kalkstein, dessen Rippen den Himmel stützen müssen, weil das Dach längst der Schwerkraft und der Geschichte nachgegeben hat.
Thema: Abbaye de Jumièges in der Normandie
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Textauszug: Wenn der Morgennebel über den künstlich angelegten Kanälen aufsteigt, wirkt das Schloss Chantilly fast wie eine steinerne Fata Morgana vor den Toren von Paris. Nur 50 Kilometer von der französischen Hauptstadt entfernt scheint die Zeit ein wenig stillzustehen. Zwischen prächtigen Galerien, die nach dem Louvre die bedeutendste Sammlung alter Meister in Frankreich beherbergen, und den weitläufigen Gärten scheint jeder Kieselstein hier die Eleganz vergangener Jahrhunderte zu atmen. Majestätisch und beinahe schwebend erhebt sich das Bauwerk aus den umliegenden Wassergräben, die das Licht der Ile-de-France in zahllosen Nuancen reflektieren.
Textauszug: Wer sich Rouen vom Wasser aus nähert, könnte meinen, er steuere auf eine Mischung aus Lagerhalle und Betonpoesie zu. Schmucklose Kais, nüchterne Zweckbauten – nichts deutet darauf hin, dass sich hinter dieser industriellen Tarnkappe eine der wohl prachtvollsten Städte Frankreichs duckt. Denn in der Altstadt entfaltet Rouen, die Hauptstadt der Normandie und Heimat von knapp 100.000 Menschen, das wahre Gesicht: mittelalterlich, charmant, überraschend – eine Ansammlung von Fachwerk, Kirchtürmen und Kopfsteinpflaster.
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Textauszug: Das ausgediente Bahnhofsgebäude wurde im Jahre 1984 dem Erdboden gleich gemacht, geblieben ist aber ein Teil der Bahnstrecke, die von 1859 bis 1969 die Paris mit Marles-en-Brie im Südosten der französischen Kapitale verband. Vom Gare de la Bastille verlief die Trasse parallel zur Avenue Daumesnil auf einem Viadukt. Getragen wurde (und wird) diese von 71 Gewölben aus rotem Ziegel und zwei Metallbrücken, während die Bahntrasse selber zum „Viaduc des Arts“ mit Hochgarten umgebaut wurde. „Die Gewölbebögen wurden ab 1989 zu rund 50 Ladenlokalen umgebaut, die Schienen rausgerissen und die einstige Bahntrasse auf dem Viadukt in eine bepflanzte Promenade mit Parkcharakter umgewandelt“, schwärmt Guignon von der Pionierleistung des Landschaftsarchitekten Philippe Mathieux und Jacques Vergely.
Textauszug: Spätestens wenn der weite Blick den Horizont des hellblauen Meeres bei Étretat berührt, spürt man die zauberhafte Magie dieses Ortes. So muss dieser Moment auch Claude Monet einst erfasst haben, da er wieder und wieder seine Staffelei aufstellte, um die Schönheit dieser Region für immer und ewig festzuhalten. Stolz und ehrfürchtig ragen die weißen Kreidefelsen von Étretat bis zu 80 Meter in den Himmel. Kühle Winde und wilde Stürme nagten und nagen an den verletzlichen Gesteinen. Doch nur so konnten die brachialen Felsenbögen entstehen, die das so malerische und beeindruckende Bild abgeben. Millionen und Abermillionen von Kieselsteinen im Meer bieten zumindest einen kleinen Schutz gegen die wuchtige Brandung des Atlantiks.
Textauszug: Paris geht immer. Insbesondere, wenn die Anreise so rasant schnell geht. Der Eurostar ist auf dem Weg in Frankreichs Hauptstadt tempomäßig schlicht nicht zu schlagen. Keine vier Stunden braucht der Hochgeschwindigkeitszug von Köln bis in die Seine-Metropole. Die Zeit vergeht tatsächlich wie im Flug. Insbesondere in der Premium-Klasse, wo ähnlich wie im Flugzeug am Platz eine Mahlzeit sowie ein Snack serviert werden. Spätestens nachdem der Eurostar kurz hinter Aachen die deutsch-belgische Grenze überschritten hat, nimmt der Zug im wahrsten Sinne des Wortes mächtig Fahrt auf. Mit Zwischenhalten in Lüttich und Brüssel geht es mit Spitzengeschwindigkeiten von gut 300 Stundenkilometer gen Paris.
Textauszug: Schuld sind wohl Claude Monet und Eugène Boudin. Die beiden berühmten Künstler stellten dereinst am gut 350 Jahre alten, rechteckigen Hafenbecken Vieux Basin ihre Staffeleien auf und bannten die malerische Kulisse mit ihren bunten Fischerbooten, Segelschiffen und Yachten vor schmalen, schieferverkleideten, siebenstöckigen Häusern wiederholt auf ihre Leinwände. Insbesondere auch, weil die Farbenpracht, die sich bei wechselnden Lichtverhältnisse im Wasser spiegelt, für eine besondere Atmosphäre sorgte und sorgt. Seither folgten unzählige Künstler ihrem Beispiel und verhalfen so dem kleinen Honfleur zu internationaler Berühmtheit.
Textauszug: Die Gräfin gibt sich auf dem Fluss, nach dem sie benannt ist, die Ehre. Mit rotem Rumpf statt rotem Teppich macht sich die Seine Comtesse von Paris auf den Weg nach Le Havre. Quasi eine kleine Tour de France auf der Seine mit Atlantik-Feeling. Beim Verlassen der französischen Hauptstadt im Schatten des mächtigen Eiffelturms fühlen sich nicht wenige unweigerlich an die Grachten in Amsterdam erinnert. Denn die extrem kurvenreiche Seine ist hier nicht nur relativ schmal, sondern wird auch noch von unzähligen Hausbooten gesäumt. In vielen Abschnitten ist das Ufer so nahe, dass man das Gefühl hat, beide Flussbegrenzungen mit dem ausgestreckten Arm berühren zu können.
Textauszug: Die Idee ist faszinierend und angsteinflößend zugleich: Paris vom Fahrradsattel aus zu entdecken, hat durchaus seinen Reiz, wäre da nicht das riesige, unkalkulierbare Verkehrsaufkommen in der Millionenmetropole an der Seine. Immerhin hatte Oberbürgermeisterin Anne Hidalgo nach ihrer Wiederwahl im Jahr 2020 offiziell die Verkehrswende für die französische Hauptstadt eingeläutet und fast flächendeckend Tempo 30 durchgesetzt. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, interpretiert so mancher Auto- oder Motorradfahrer die innerstädtische Geschwindigkeitsbegrenzung eher als launige Empfehlung und ist entsprechend sportlich unterwegs.