Textauszug: Wer sich von Rouen aus flussabwärts bewegt, folgt dem trägen Lauf der Seine, die sich hier in gewaltigen Mäandern durch das grüne Herz der Normandie frisst. Hinter einer Biegung, dort, wo die Obstgärten des Pays de Caux besonders üppig blühen, geschieht es: Plötzlich schiebt sich ein steinernes Gebirge aus dem Dunst der Flusslandschaft. Es sind die Türme von Jumièges, die fast fünfzig Meter hoch in das normannische Blau ragen. Doch beim näheren Hinsehen offenbart sich das Paradoxon dieses Ortes. Was aus der Ferne wie eine stolze Festung des Glaubens wirkt, ist bei Licht betrachtet ein hohler Zahn, ein Skelett aus Kalkstein, dessen Rippen den Himmel stützen müssen, weil das Dach längst der Schwerkraft und der Geschichte nachgegeben hat.
Thema: Abbaye de Jumièges in der Normandie
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Textauszug: Wer sich Rouen vom Wasser aus nähert, könnte meinen, er steuere auf eine Mischung aus Lagerhalle und Betonpoesie zu. Schmucklose Kais, nüchterne Zweckbauten – nichts deutet darauf hin, dass sich hinter dieser industriellen Tarnkappe eine der wohl prachtvollsten Städte Frankreichs duckt. Denn in der Altstadt entfaltet Rouen, die Hauptstadt der Normandie und Heimat von knapp 100.000 Menschen, das wahre Gesicht: mittelalterlich, charmant, überraschend – eine Ansammlung von Fachwerk, Kirchtürmen und Kopfsteinpflaster.
Textauszug: Die Gräfin gibt sich auf dem Fluss, nach dem sie benannt ist, die Ehre. Mit rotem Rumpf statt rotem Teppich macht sich die Seine Comtesse von Paris auf den Weg nach Le Havre. Quasi eine kleine Tour de France auf der Seine mit Atlantik-Feeling. Beim Verlassen der französischen Hauptstadt im Schatten des mächtigen Eiffelturms fühlen sich nicht wenige unweigerlich an die Grachten in Amsterdam erinnert. Denn die extrem kurvenreiche Seine ist hier nicht nur relativ schmal, sondern wird auch noch von unzähligen Hausbooten gesäumt. In vielen Abschnitten ist das Ufer so nahe, dass man das Gefühl hat, beide Flussbegrenzungen mit dem ausgestreckten Arm berühren zu können.